Elektronisch Leerdossier

Das ELD-Projekt (Elektronisch Leerdossier oder Learner Information Package) begann im Jahr 2004 mit einer Durchführbarkeitsstudie. Dabei sollte festgestellt werden, ob ein Projekt, das sich mit dem digitalen Austausch – entlang der gesamten Bildungskette – von Informationen über Lernende, Lernergebnisse und den Bedarf an Bildungsorientierung befasst, tatsächlich durchführbar ist. Die Erkenntnisse der Durchführbarkeitsstudie bestätigten, dass ein umfassendes Projekt möglich ist, wenn alle Interessenvertreter eingebunden werden. Seit seiner Einführung im Jahr 2005 ist das ELD-Projekt in vollem Gange. Im Rahmen des Projekts wurden ein Standard für den Austausch von digitalen Informationen sowie eine technische Infrastruktur entwickelt, die den sicheren, digitalen Austausch von elektronischen Dossiers (ELD) erleichtert.

Warum ELD?
Unter dem Einfluss neuer Bildungskonzepte wie kollaboratives, vernetztes und kompetenzbasiertes Lernen besteht zunehmend die Notwendigkeit, Informationen über Lernergebnisse und den Bedarf an Bildungsorientierung bei Lernenden auszutauschen. Dabei müssen dieselben Informationen immer wieder an zahlreiche Systeme und Einrichtungen übermittelt werden. Diese Art des Informationsaustauschs ist nicht nur ineffizient, sondern auch zeitraubend. Wenn Bildungseinrichtungen auf die richtigen Informationen eher Zugriff hätten, könnten sie sich auf die (individuelle) Orientierung der Lernenden konzentrieren, statt die Bedürfnisse der Lernenden ständig neu zu erfinden. Außerdem wäre es möglich, besonders begabte Schüler oder Schulabbrecher früher zu erkennen, als es heute der Fall ist.

Die ELD-Lösung: ‘auf Knopfdruck’ werden Daten aus den Informationssystemen der Bildungseinrichtung abgerufen, in einem Dossier zusammengestellt und an ein nationales digitales Postamt geschickt. Andere neue Einrichtungen können diese Dossiers dort abholen– mit Zustimmung der Eltern oder der erwachsenen Schüler – und die Daten für ihre eigenen Informationssysteme extrahieren. Diese Lösung verringert den Verwaltungsaufwand und trägt zur Interoperabilität der Informationssysteme bei.

Vereinbarungen
Die verschiedenen Parteien im Bildungssektor müssen die Art der auszutauschenden Informationen vereinbaren. Ist beispielsweise das Grundschulwesen in der Lage, dem Sekundarschulwesen die gewünschten Informationen zu liefern? Und ist es angesichts der Datenschutzgesetze überhaupt zulässig, diese Informationen auszutauschen?
Zur Erzielung einer einvernehmlichen Vereinbarung müssen sich alle Parteien die Zeit nehmen, um die Standpunkte der anderen Parteien zu verstehen. Dieser Teil des Projekts hat bisher am meisten Zeit beansprucht. Bestimmte Begriffe werden zwar im gesamten Bildungssystem verwendet, jedoch unterschiedlich interpretiert. Kompetenz in der Grundschulerziehung bedeutet etwas völlig anderes als Kompetenz in der Berufsausbildung.
Im Rahmen des ELD-Projekts wurde eine Vereinbarung auf allen Stufen der Bildungskette – von der Grundschulbildung bis hin zur wissenschaftlichen Bildung – erzielt.

Internationale Standards
Der von ELD entwickelte nationale Standard basiert auf den internationalen Spezifikationen des IMS Learner Information Package (LIP). Dieser Standard beschreibt den universalen Austausch von Informationen und stellt so die Interoperabilität zwischen Hunderten verschiedener Anwendungen in den Bereichen Lernen, Orientierung und Administration sicher.
Um eine hohe Akzeptanz bei einer möglichst großen Zahl von Softwareentwicklern und –anbietern zu erreichen, muss das Projekt weit gefasste internationale Standards anwenden. Da Software sowohl von nationalen als auch internationalen Anbietern entwickelt wird und die Softwareentwicklung auf der Wiederverwendbarkeit von Objekten beruht, sind internationale Standards unumgänglich.

Datenschutz und Sicherheit
Aus rechtlicher Sicht sind Datenschutz und Sicherheit wichtige Themen. Im Gesetz über den Schutz personenbezogener Daten sind die Bedingungen für den Austausch von Informationen (über Lernende) festgelegt. Darin heißt es wie folgt:

  • Der Informationsaustausch muss notwendig sein.
  • Der Informationsaustausch muss sich auf notwendige Daten beschränken.
  • Der Schüler oder die Eltern haben das Recht auf Einsichtnahme in die Daten und können Widerspruch gegen die Verwendung dieser Daten einlegen.
  • Das Verfahren für den Informationsaustausch muss schriftlich dokumentiert und klar dargelegt werden.
  • Beim Datenaustausch und bei der Datenspeicherung muss die Sicherheit gewährleistet werden.

Das ELD-Projekt wird von externen Stellen auditiert, um die Einhaltung dieser Punkte zu überprüfen. Bisher wurde die Einhaltung dieser Anforderungen immer bestätigt.

Konzeptstudie („Proof-of-Concept“) und Pilottests
Im Jahr 2008 wurden im Rahmen des ELD-Projekts Pilottests gestartet, um das ELD-Konzept in der Praxis zu erproben. Die Konzeptstudie verfolgt mehrere Ziele:

  • Funktioniert das Konzept wirklich oder muss es angepasst werden?
  • Gibt es wirklich einen Business Case? Bietet er die gewünschte Wirtschaftlichkeit?

Die Konzeptstudie wird benötigt, um Regierungsstellen und öffentliche Einrichtungen von der Brauchbarkeit des Konzepts zu überzeugen.

Kommunikation und Überzeugungsarbeit
ELD ist ein umfassendes Projekt, das Jahr für Jahr 1,5 Millionen EUR kostet. Es ist auf die Unterstützung von Bildungseinrichtungen, Regierungsstellen, anderen Initiativen, die sich mit dem Informationsaustausch im Bildungswesen befassen, bildungspolitischen Entscheidern, Eltern und Schülern angewiesen.
Kommunikation spielt eine überaus wichtige Rolle, um die notwendige Unterstützung zu gewinnen. Es werden verschiedene Kommunikationswege verwendet: Zeitschriften, ein E-Zine, die Website, Konferenzen, Workshops, Tagungen usw.
Wichtiger noch ist die Einbindung von Interessengruppen in das Projekt. Ihre Vertreter sind Mitglieder des Lenkungsausschusses, des Beirats und der Arbeitsgruppen. Dabei ist die konstruktive Kritik dieser Gremien und Arbeitsgruppen stets willkommen. Neben Softwareentwicklern und -anbietern nehmen auch Bildungseinrichtungen an den Pilottests teil. Eine ständige Plattform zur Diskussion der Anforderungen und Vorgaben steht für Entwickler und Anbieter bereit, die dort ihr Fachwissen in die weitere ELD-Entwicklung einfließen lassen können.

Implementierung
Das ELD-Projekt hat noch nicht die Phase der groß angelegten Implementierung erreicht. Die Dokumentation für die Implementierung, die Qualifikationskriterien für Softwareanbieter und Bildungseinrichtungen sowie ein Tool zur Überwachung des Fortschritts bei der Implementierung wurden jedoch bereits entwickelt.

Bearbeitung von offenen Fragen und Änderungswünschen
Bei den Kontakten mit allen beteiligten Stellen sowie bei den Tests der Informationssysteme, beim Austausch digitaler Informationen und bei den Pilottests werden viele verschiedene Fragen aufgeworfen. Die offenen Fragen und Änderungswünsche werden dokumentiert und überwacht. Falls möglich, werden sie vom Projektteam bearbeitet. Änderungen im Zusammenhang mit Startpunkten oder vereinbarten Grundsätzen werden an den Lenkungsausschuss weitergeleitet.

Entwicklungszyklus

Überwachung
Das Projekt wird von einer externen Organisation in Bezug auf die folgenden Punkte überwacht:

  • Umfang der Unterstützung für das Projekt seitens der Interessenvertreter;
  • Zufriedenheit der Interessenvertreter, Softwareanbieter und Bildungseinrichtungen mit der verfügbaren Dokumentation und Unterstützung;
  • Unterstützung der Regierungsstellen und öffentlichen Einrichtungen.


Information:
Projektmanager ELD
Joke Droste
jdrostecinop.nl
T +31736800853
CINOP
Pettelaarpark 1
Postbus 1585
5200 BP ’s Hertogenbosch
Niederlande

http://www.eldvo.nl


Legende zur Grafik
Proposals, agreements – Vorschläge, Vereinbarungen
desires, requirements, changes – Wünsche, Anforderungen, Änderungen
Establish scope release – Release-Umfang festlegen
Referential architecture – Referenzarchitektur
Standard ELD - Standard-ELD
Design documentation – Entwurfsdokumentation
Development and technical test – Entwicklung und technische Erprobung
Pilots – Pilottests
Evaluation – Auswertung
Implementation – Implementierung


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